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Die sechs Denkhüte nach de Bono

  • Autorenbild: Marcel Binzenhöfer
    Marcel Binzenhöfer
  • 14. Nov. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Auf einen Blick

Ziele

  • Kreativ Lösungsideen entwickeln, Perspektivwechsel anregen, gegenseitiges Verständnis fördern, miteinander Denken

Setting

  • Mehrpersonen-System (Gruppe, Team), 1:1-Setting

Kurzbeschreibung

  • Die Gruppe betrachtet eine zuvor definierte Fragestellung / Herausforderung gemeinsam in strukturierter Form aus der Perspektive der sechs Denkhüte, die für sechs unterschiedliche Denkstile stehen.

  • Dadurch wird Perspektivenvielfalt ermöglicht, gemeinsames Denken und Verständnis gefördert und Raum für kreative Lösungsansätze geschaffen.

  • Die moderierende Person begleitet den Prozess, achtet auf das Time-Boxing und darauf, dass die Gruppe bewusst den Fokus des

Benötigtes Material

  • Visuelle Darstellung der sechs Denkhüte (digital, analog), farbige Post-its, Pinnwände / Flipcharts / Whiteboards, Marker, Timer, optional sechs farbige (Papier-) Hüte zur Visualisierung

Quelle / Urheber

  • Edward de Bono


Hintergrund und Wirkung

Die sechs Denkhüte ist eine Kreativitätsmethode von Edward de Bono. Genutzt habe ich diese bisher vor allem in Teamworkshops, um komplexe Herausforderungen gemeinsam zu beleuchten. Sie lässt sich auch im 1:1-Setting durchführen.


De Bono hat sechs unterschiedliche Hüte definiert, von denen jeder eine bestimmte Art und Weise zu Denken repräsentiert. Wir haben alle unserer Persönlichkeit entsprechend favorisierte und gewohnte „Hüte“, die wir nutzen oder anders gesagt, favorisierte Haltungen, die unser Denken und Handeln prägen und bedingen, wie wir unsere Sicht auf die Welt konstruieren. Diese Individualität macht uns als Menschen aus und hat gleichzeitig zur Folge, dass es immer wieder Meinungsverschiedenheiten und Konflikte gibt und geben wird. Um Probleme umfassend zu betrachten und passfähige Maßnahmen zu identifizieren, sind alle sechs Perspektiven essenziell.


Die Methode der sechs Denkhüte hat neben der Entwicklung von kreativen Lösungsansätzen noch weitere positive Effekte. Die Teammitglieder lernen Themen aus verschiedenen und zum Teil auch ungewohnten Perspektiven zu betrachten, sich in die Welt der anderen hineinzuversetzen und deren Wert zu erkennen. Zudem fördert die Methodik das Kreieren einer gemeinsamen Wirklichkeit und hilft dabei, die Blickwinkel der unterschiedlichen Persönlichkeiten nachzuvollziehen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass die gemeinsame Fokussierung der Hüte dazu beiträgt, ein von De Bono genanntes paralleles Denken zu ermöglichen.


Dieses Konzept von De Bono war die Grundlage, auf der er die Methode der sechs Denkhüte entwickelt hat. Die wesentlichen Punkte daraus sind für mich: Miteinander statt gegeneinander Denken und den Umgang mit Vieldeutigkeit und Perspektivenvielfalt erleichtern.



Vorbereitung

Die sechs Denkhüte bringe ich bei einem Präsenz-Workshop auf farbigen Post-its mit. Zusätzlich habe ich mir sechs farbige Papierhüte gebastelt, um die Visualisierung bei Bedarf zu unterstützen. Die einzelnen Hüte, in der Reihenfolge, in der ich sie auch im Prozess nutze, haben folgende Bedeutung:


  • Weiß, der Analytische: „Welche Fakten liegen vor?“ Der weiße Hut öffnet den Raum, um Informationen zu sammeln, sich als Gruppe einen Überblick zu verschaffen und objektive / sachliche Meinungen ohne Bewertungen einzubringen.

  • Rot, der Emotionale: „Wie fühlen ich und andere zu dem Thema?“ Der rote Hut fokussiert auf Emotionen, beleuchtet positive und negative Gefühle und zielt auf subjektive Meinungen inklusive Bewertungen ab.

  • Schwarz, der Kritische: „Welche Probleme können auftreten?“ Der schwarze Hut beleuchtet Bedenken, sammelt Einwände und hat den Zweck, Risiken zu identifizieren und aufzudecken.

  • Gelb, der Optimistische: „Wie sieht die bestmögliche Endsituation aus?“ Der gelbe Hut konzentriert sich darauf, positive Aspekte zu finden, Chancen und Vorteile zu identifizieren und einen realistischen Optimismus an den Tag zu legen.

  • Grün, der Kreative: „Welche alternativen Lösungen gibt es?“ Der grüne Hut soll dazu beitragen, Innovationen anzuregen, kreative Vorschläge zu machen und fördert die Haltung, dass alle Ideen eine Berechtigung haben.

  • Blau, der Ordnende: „Was sind die nächsten Schritte?“ Der blaue Hut blickt auf bestehende Strukturen und Prozesse, hilft dabei, die gesammelten Ideen zu strukturieren und sorgt für einen gemeinsamen Überblick.


Ansonsten braucht es für die Methode noch Flipcharts / Pinnwände / Whiteboards sowie farbige Post-its, Marker und einen Timer, um die Aspekte zu den jeweiligen Hüten festzuhalten und die Timebox sichtbar für alle zu haben.


Zur Darstellung meiner Modelle, Inhalte und Methoden nutze ich in Workshops gerne Miro. Hier die Übersicht zu den 6 Denkhüten in digitaler Form.


Übersicht über die 6 Denkhüte nach de Bono

Ablauf

Bevor ich mit Gruppen Methoden durchführe, finde ich es essenziell, den Mitgliedern einen guten Rahmen mitzugeben. In diesem Fall sind es die im ersten Abschnitt erwähnten Aspekte sowie die Vorstellung der sechs Hüte.


Nachdem das Team Hintergrund, Ziele und die sechs Hüte kennengelernt hat, suche ich mit ihnen eine (komplexe) Herausforderung, die sie aktuell bewegt. In diesem Schritt ist es wichtig sicherzustellen, dass das Team ein gemeinsames Verständnis darüber hat. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, die Herausforderung als lösungsorientierte Frage formulieren zu lassen, bevor wir mit dem ersten Hut starten. Je nach Gruppengröße und verfügbarer Zeit, nutze ich pro Hut eine Timebox von fünf bis zehn Minuten.


Zu Beginn „setzen“ sich alle Mitglieder den ersten Hut auf und versuchen sich in diese Perspektive hineinzudenken. Danach betrachten sie die Fragestellung. Als Moderator notiere ich die Gedanken der Gruppe auf Post-its mit und achte darauf, dass möglichst alle ihre Perspektiven einbringen und im jeweiligen Hut (Denkstil) bleiben. Sobald die Timebox abgelaufen ist, wechselt die Gruppe gemeinsam den Hut und macht aus dessen Perspektive weiter. In dieser Form fahre ich fort, bis alle sechs Hüte an der Reihe waren.


Der weiße Hut ermöglicht zu Beginn einen leichten Einstieg über Fakten. Der blaue Hut führt am Ende dazu, dass direkt nächste Schritte und Verantwortlichkeiten festgelegt werden. In der oben dargestellten Reihenfolge entsteht ein Kontrastprogramm der Perspektiven (weiß – rot, schwarz – gelb, grün – blau), das aus meiner Erfahrung die größte Wirkung hat.


Nachdem die Fragestellung aus der Perspektive der sechs Hüte betrachtet und nächste Schritte abgeleitet wurden, gehe ich mit dem Team noch in eine Meta-Reflexion darüber, wie der Prozess für sie war und was sie für sich individuell und als Gruppe aus der Methode mitnehmen.


Herausforderungen und Tipps

Eine Herausforderung bei der Methode ist, die Teilnehmenden bewusst im jeweiligen Denkstil der Hüte zu halten. Häufig fallen Menschen in ihre gewohnten Muster. Hierbei ist es wichtig, dass die moderierende Person in die Steuerung geht, um den Fokus zu halten. Hilfreich ist es zudem, den jeweiligen Hut zu visualisieren. Vor allem bei den Wechseln ist es sinnvoll, der Gruppe Zeit zu geben, aus der alten in die neue Perspektive zu kommen. Dabei weise ich als Moderator nochmal auf die wesentlichen Aspekte des kommenden Hutes hin.


Wenn unklare oder sehr allgemeine Beiträge aus der Gruppe kommen, stelle ich gerne Konkretisierungsfragen, um Klarheit und Verständnis zu fördern. Eine weitere Möglichkeit bei komplexen Aspekten ist es, eine andere Person nochmal in eigenen Worten spiegeln zu lassen, wie sie diese verstanden hat. Dieser Wirklichkeitsabgleich hilft auch am Ende eines Hutes dabei, die wesentlichen Punkte innerhalb der Gruppe weiter zu verdichten.


Nach der Erklärung der sechs Denkhüte frage ich die Teammitglieder gerne, welchen Hut sie intuitiv für sich als leicht oder gewohnt und welche(n) sie als schwierig oder ungewohnt empfinden. Das hilft mir in der Steuerung des Prozesses darauf zu achten und bewusst ungewohnte Denkstile der einzelnen Mitglieder zu fördern. In der Meta-Reflexion prüfe ich, ob sich ihre Hypothesen bestätigt haben oder ob sie durch die Erfahrung in irgendeiner Hinsicht überrascht wurden.


Durch die gemeinsame Erfahrung ergaben sich in den Teams häufig neue Kommunikationsmuster, die die Zusammenarbeit und den Austausch im Team langfristig positiv beeinflusst haben. Die Teammitglieder erkannten den Wert ihrer Unterschiedlichkeit und haben Anregungen mitgenommen, sich zukünftig bewusst mit ihren ungewohnten Hüten zu befassen und als Team darauf zu achten, dass sie bei Problemen alle Hüte einbeziehen.


Für alle, die es bis hierher geschafft haben, gibt es hier noch die einzelnen Hüte als Bilder mit der Frage und den wesentlichen Perspektiven des jeweiligen Hutes. Ich habe sie einmal zum Testen als Hintergrundbilder für Video-Calls hochgeladen, um in der Moderationsrolle den jeweiligen Hut sichtbar zu machen. Zusätzlich habe ich die Hintergründe bereits in diversen Meetings ausgetestet, ohne der oben genannten Methodik zu folgen. So sind es Impulse für einen perspektivenreichen Austausch.



Ich wünsche dir viel Freude beim Ausprobieren!


Gemütliche Grüße aus Bamberg,

Marcel


P.S. Diesen und meinen anderen Beitrag Sechs Perspektiven für Rollenklarheit durfte ich zum Buch 37 systemische Methoden für Beratung, Coaching, Therapie beitragen. Darin findest du bewährte und innovative Methoden aus der Praxis für die Praxis. Was mich auch sehr gefreut hat: der Beitrag wurde im Blog PlanetPsy veröffentlicht.

Entwicklung  beginnt mit einem guten Gespräch.

Lass uns sprechen.

Ich freue mich auf dich!

© 2025 Marcel Binzenhöfer

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